bohn-o-mat

Eine endlose Geschichte, die hier erzählt werden soll.

25.04.12 Wohlfühlen in der Fremde

Unbekannter Ort, mir bisher unbekannte oder nur entfernt bekannte Menschen, eigentlich eine Situation die ich bisher in meinem Leben, wenn möglich, vermieden habe oder lange gebraucht habe, um mich dort wohl zu fühlen. Heute ist dies anders gewesen.

Ich bin bei der Lesung von Benjamin Steins Buch „Replay“ gewesen. Es fand in der Theaterbar Zentrale im Thalia-Theater statt. Ein eher dunkler Ort, nur wenig Tageslicht kommt durch trotzdem große Fenster. Dunkle Orte mochte ich in der Vergangenheit nicht, ich konnte sie nicht wirklich überblicken. Nicht alles sehen. Dies machte mir mehr Angst als dass mich die Möglichkeit in der Dunkelheit zu verstecken angenehm war. So auch heute aber nur kurz.

Benjamin Stein erkannte mich bereits beim Betreten des Gebäudes auf dem Bürgersteig. So ein Moment, wo ich für die Erfindung sozialer Netzwerke dankbar bin, sonst hätte er nie gewusst wer ich bin. Die Unterhaltung mit ihm, nahm mir die restliche Angst für den Abend.

Die Lesung war sehr angenehm, auch die Fragen von dem Moderator Matthias Göritz gefielen mir, boten sie doch Stein die Möglichkeit sein Buch zu erklären. Die vorgelesenen Stellen des Buches, der Beginn und die Szenen in der Gallerie, bieten einen m.E. guten Einblick in das Buch ohne zu viel vom Ende des Buches zu verraten.

Nach der Lesung bin ich geblieben und kam mit einer Sitznachbarin ins Gespräch, ich erinnere mich noch an die Lesung 2010 in der Zentralbibliothek in Hamburg, wo ich nach dem mein Buch signiert wurde schnell wieder verschwunden bin. Die Idee zu bleiben kam mir damals gar nicht, heute war es völlig anders. Ich war entspannt, genoss die Unterhaltung mit der Frau, wo ich mich nur ärgere nicht nach dem Namen gefragt zu haben. Ich erzählte ihr von „Corpus Delicti“, einem dystopischen Roman von Juli Zeh und von „Cairo“ von G. Willow Wilson. Zum Schluss habe ich gar nicht gemerkt wie schnell die Zeit vergangen ist und als ich wieder auf der Straße vor dem Thalia-Theater stand, merkte ich, dass mein Zug nach Winsen gerade abgefahren ist. Ein Gedanke der mich vor einer Weile noch beunruhigt hätte. Heute nicht.

Ich habe mich bei Benjamin Stein verabschiedet und bin Richtung Bahnhof gegangen. In einem Kiosk bin ich unvermutet in eine Diskussion über das Halbfinale der Champions League geraten. Mein Smartphone teilte mir mit, dass Real gegen Bayern gerade 2:0 führt, darauf wechselte das Gespräch zum gestrigen Spiel zwischen Barcelona und Chelsea, wo Barcelona zunächst auch 2:0 führte und trotzdem verlor. Dies Gespräch setzte sich in der S3 bis Veddel fort. In Harburg stieg ich, wieder alleine, um in den Metronom nach Winsen.

Mit zufriedenen Gedanken und einer signierten Ausgabe von „Replay“ in der Hand kehrte ich in meine Wohnung zurück.

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22.04.12 Urheberrecht, die 1337.

Urheberrechte, wie auch Patente, sind Monopole auf Zeit. Diese Monopole verursachen für die Gesellschaft Kosten. Zum Beispiel durch höhere Preise oder durch eine eingeschränkte Verfügbarkeit. Sie führen jedoch auch zu gesellschaftlichen Einnahmen, z.B. wenn das Monopol Anreize dafür schafft weiter kreativ oder erfinderisch tätig zu sein oder andere dazu bewegt selbst kreativ oder erfinderisch zu werden. Die Frage, die in zu beantworten ist, wie lang muss dieses Monopol für die Urheber gelten, um zum einen die erwähnten Anreize zu schaffen und auf der anderen Seite die gesellschaftlichen Kosten niedrig zu halten.

Zweites Problem ist, viele Werke basieren auf anderen Werken, sind von ihnen inspiriert oder zitieren großzügig aus ihnen. Sie stellen dabei ein neues Werk dar. Sie sind nach Schumpeter der erste Schritt zu eigenen Werken. Somit müsste ein Urheberrecht diese Kreativität genauso schützen, eben um Anreize zu schaffen, weiterhin kreativ zu sein. Schöne Beispiele dafür sind Filme wie „Star Wars“ oder „Iron Sky“, dessen Vorläufer „Star Wreck in the Pirkining“ ein Zitat von „Star Trek“ und „Babylon 5“ ist, doch ohne diesen Film hätte es „Iron Sky“ wahrscheinlich nie gegeben.

Das dritte Feld in der Debatte sind die Nutzer_innen. Heute steckt allein in der Nutzung von geschützten Werken eine Kopie, es geht gar nicht mehr anders. Auch führt das kaum regulierte Monopol zu einem Marktversagen, weil die Nutzer_innen dieses Monopol durch Filesharing zu niedrigen Kosten unterwandern können. Und dies ist, zumindest aus ökonomischer Sicht, sogar die richtige Entscheidung. So muss das Monopol neu reguliert werden, um es den Nutzern einfach zu machen, das Urheberrecht zu beachten. So ist es für viele Nutzer_innen wenig verständlich, wieso Werke auf bestimmte Regionen beschränkt werden oder, dass die Preise für digitale Inhalte so hoch angesetzt werden, dass ihre Nutzung kaum Vorteile gegenüber Filesharing-Angeboten hat. Im Gegenteil, es scheint zurzeit so, dass Filesharing nicht nur preiswerter, sondern auch wesentlich einfacher zu bedienen ist und eine größere Auswahl bietet.

Diese Fragen und Probleme müssen politisch und ökonomisch gelöst werden.

Update: Wieso Filesharing die ökonomisch richtige Antwort auf das Monopol ist, hat Michael Seemann in seinem Blog ausführlich beschrieben.

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25.03.12 Die Suche nach den Käufern

Eigentlich hat sich nichts geändert. Die Märkte funktionieren immer noch so wie sie von Ökonomen mal beschrieben worden sind, als es Dinge wie das Internet oder überhaupt elektrische Kommunikation noch nicht gab. Und trotzdem geht es vielen Bereich nicht gut, viele Branchen leiden unter den neuen Kommunikationsmitteln, weil sie sich auf ihren Märkten ausgeruht haben. Sie haben sich eingerichtet, sie haben sich eingerichtet auf ein bestimmtes Kundenverhalten.

Vor dem Internet gab es eine große Gruppe, die die CDs oder Platten gekauft haben und eine sehr kleine Gruppe die sich mit kopierten Kassetten zufrieden gegeben hat. Und selbst bei denen gingen die Labels nicht leer aus, sie bekamen einen Abgabe auf Leermedien. Das Internet veränderte dies, nun war es möglich Musik beliebig oft zu vervielfältigen und einer großen Gruppe von Menschen kostengünstig zu Verfügung zu stellen. Dies hat den Markt eigentlich nicht verändert, es hat aber die Nachfrageseite verändert, es gab nun einen wesentlich besser informierten Käufer.

Statt nun diesen Käufer mit dem zu beliefern was er haben wollte, nahmen die Sache einen anderen Weg. Dienste wie Napster oder AllofMP3 wurden verklagt und am Ende geschlossen. Statt sich also auf die neuen Marktbedingungen einzustellen, wird so getan als sei der Markt wie er schon immer gewesen ist. Mit fatalen Folgen, den Unternehmen, die sich nicht auf neue Marktanforderungen einstellen können, werden über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Ob dies nun Kodak, Schlecker oder EMI ist.

Der Fehler, der meiner Meinung nach, von den Plattenfirmen begangen wurde ist einfach erklärt. Sie haben geglaubt, sie müssten alle die heute sich ihre Musik aus P2P-Netzwerken herunterladen dafür gewinnen für Musik zu bezahlen. Und sie haben geglaubt, dass alle die sich aus P2P-Netzwerken Musik herunterladen diese gekauft hätten, wäre wir noch ohne Internet und ohne P2P-Netzwerke. Beide Annahmen sind falsch und naiv. Falsch, weil es unmöglich ist, alle davon zu überzeugen Geld für eine Sache auszugeben, dies es kostenlos gibt. Und naiv, weil es vorher eben auch Leute gegeben hat, die kein Geld für Musik ausgegeben haben.

Was folgt jetzt daraus? Geht jetzt die Musikindustrie Pleite, weil niemand mehr bereit sein wird Geld für Musik auszugeben? Eben nicht. Die Aufgabe ist es jetzt, herauszufinden, wofür die Leute bereit sind Geld auszugeben. Es gilt diese Menschen zu finden. Und ihnen dann genau das zu verkaufen, was sie haben wollen, zu möglichst dem Preis den sie bereit sind dafür zu bezahlen. Dabei unterscheidet sich das Konzept nicht von dem, was vor dem Internet und vor den P2P-Netzwerken galt. Auch damals musste der Käufer für das Werk gefunden werden. Nur die Ansprüche des Käufers haben sich verändert.

Dieser Text ist auf Musik gemünzt aber er gilt für jede Art von Kulturprodukt. Ob Bücher, ob Filme oder eben Musik. Ein zentraler Punkt ist hier die Verfügbarkeit von Werken. Die Bereitschaft auf etwas zu warten sinkt. So hat eine Studie über die P2P-Nutzung für aktuelle Kinofilme ergeben, dass die Nutzung von P2P-Netzen vor allem in solchen Märkten Auswirkungen zeigen, wo der Film erst sehr viel später in den Kinos veröffentlicht wurde. Auch die Erwartungen an das Erlebnis sind heute anders. So soll es heute viel mehr Konzerte und Liveshows geben, also Erlebnisse die nicht kopierbar sind, die sich nicht kostenlos ins Netz stellen lassen.

Der Preis ist relativ, jeder hat hier andere Vorstellungen, doch meiner Vermutung nach werden nicht viel bereit sein den gleichen Preis für ein E-Book wie für ein gedrucktes Buch zu bezahlen. Dabei spielen die Kosten für das eine oder andere keine Rolle, es spielt einzig und allein eine Rolle, was der Kunde bereit ist dafür zu bezahlen. Wenn niemand bereit ist ein E-Book für zehn Euro zu kaufen aber einer bereit wäre es für fünf Euro zu kaufen, würde der Verlag bei dem niedrigeren Preis eben doch Geld einnehmen. Sehr vereinfacht aber ich hoffe es wird klar, worauf ich hinaus möchte. Ein niedrigerer Preis führt zu einer höheren Nachfrage.

So bleibt am Schluss halt nur die Erkenntnis, dass die Nachfrageseite auf dem Markt sich sehr verändert hat. Sie hat andere Ansprüche, andere Prioritäten und andere Bedürfnisse. Daran muss sich die Angebotsseite anpassen. Dies wird sich durch kein Gesetz, kein Vertrag verändern lassen. Meine Empfehlung ist es, dass Labels, Verlage, Filmstudios und all die anderen beginnen, sich wieder auf das zu konzentrieren, was sie können, nämlich Käufer für ihre Werke zu finden und ihnen diese Werke zu verkaufen. Dies hat, meiner Meinung nach mehr Chancen auf Erfolg als Menschen hinterher zu laufen, die dies nie tun werden.

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13.03.12 Kony und wir

Was braucht man, um ein Thema für Menschen wirklich interessant zu machen? So interessant, dass sie es sofort weitererzählen, teilen und/oder engagieren wollen. Neben einer einfachen, im Sinne von einfach zu verstehenden, Geschichte vor allem viele unbekannte Elemente die bloß stören könnten wären sie bekannt. Über Uganda weiß ich, und wahrscheinlich bin ich da nicht der einzige, eher wenig. Ich habe schon einmal etwas von der Lord’s Resistance Army gehört und auch über homophobe Politik, die von ihr und anderen Gruppen in Uganda ausgeht. Nun kommt ein Video aus Amerika und erzählt mir etwas von entführten Kindern, die dann von der LRA zu Soldaten ausgebildet wurden. Wie, wenn nicht mit Betroffenheit und Wut sollte ich reagieren? Ich bin schließlich ein aufgeklärter Europäer und finde solche Dinge einfach nur barbarisch.

Hier liegt aus meiner Sicht das Problem. Wir, als Europäer, werfen den US-Amerikaner_innen gerne vor, ihre Welt würde an Atlantik und Pazifik enden. Doch in Wirklichkeit sind wir nicht viel besser, bei uns ist es das Mittelmeer. Über den Rest blicken wir von oben herab, wir glauben uns sofort eine richtige und wahre Meinung, über die Situation die wir unmöglich komplett überblicken können, zu haben. Egal, wie viel wir über die Geschichte wissen oder vielmehr nicht wissen.

Dies ist eine zutiefst kolonialistische  Sichtweise Europas auf seine einstige Kolonie. Sie ist von der Überzeugung geprägt, Afrika bzw. die Bevölkerungen der afrikanischen Staaten könnten ihre Probleme nicht alleine lösen. Diese Sichtweise durchzieht bereits die Entwicklungshilfe Europas und sie durchzieht auch die Arbeit vieler Wohltätigkeitsorganisationen in Afrika.

So ist es kein Wunder, dass das Video von der amerikanischen Organisation „Invisible Children“ millionenfach weitergeleitet wird, während die Stimmen von lokalen Journalisten_innen und Aktivisten_innen kaum Verbreitung finden. Bei Boing Boing hat sich Xeni Jardin immerhin mal die Mühe gemacht und einige Stimmen aufzuzeichnen. Wie z.B. dieses Video von der ugandischen Journalistin Rosebell Kagumire.

Es ist nicht das Problem, dass sich jetzt viele Menschen mit Uganda beschäftigen, es ist aber ein Problem, dass sie dies einseitig tun. Sie scheinen etwas lösen zu wollen, was sie nicht lösen können. So sollten wir als Europäer aufhören Schlussfolgerungen über afrikanische Konflikte zu ziehen, die wir nicht verstehen. Vor allem sollten wir keine Schlussfolgerungen aus einer kolonialistischen Perspektive ziehen, doch genau das tun wir regelmäßig.

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28.01.12 Die PPP-Verschwörung

Heute habe ich bei der taz einen Artikel über sog. Public-Private-Partnerships gelesen. In der Theorie ein Weg, wie der Staat das Wissen und Erfahrung der Privatwirtschaft für bestimmte Aufgaben nutzen kann, um sie besser oder zumindest effizienter erledigen zu können. In der Praxis ist es ein guter Weg für die Privatwirtschaft risikolos öffentliche Aufträge zu erhalten. Risikolos, weil die öffentliche Hand dieses meist übernimmt und die Details eher unter das Geschäftsgeheimnis des Unternehmens fallen und nicht einmal dem Parlament offen stehen.

Was diese PPP-Geschäfte zu einer Verschwörung machen lassen ist, dass der Staat und die Wirtschaft in Unternehmen, wie z.B. in der von der taz erwähnten ÖPP Deutschland AG, gemeinsame Sache machen. Der Staat berät Kommunen, Länder und den Bund wie solche Verträge abwickeln soll, doch die Wirtschaft sitzt hier gleich mit am Tisch. So entstehen komplexe Verträge, die niemand wirklich sehen darf und niemand wirklich mehr versteht, jedenfalls auf staatlicher Seite. So steigt der „Festpreis“ für die Elbphilharmonie seit Jahre an, so musste der Staat für die weitere Absicherung der Baustelle auf der A1 bezahlen, weil dies angeblich nicht im Vertrag festgeschrieben worden ist.

Weiterer Punkt ist, die taz vermute, dass bedingt durch die Schuldenbremse für Bund und Länder PPP-Projekte häufiger werden, sie könnte bald zu einzigen Möglichkeit werden große Investitionen zu tätigen, weil sich der Staat dieser Möglichkeit selbst beraubt hat. Am Anfang stand eine Ideologie, eine Ideologie, die sich als solche nicht verstand, sie behauptete jedoch, dass der Staat unfähig sein, und nur die Privatwirtschaft wirklich effizient sein könnte. Danach wurden staatliche Schulden als das Grundübel überhaupt bekämpft.

Dass jede Wirtschaftseinheit, ob staatlich oder privat, Schulden aufnimmt und braucht, um zu funktionieren, wurde einfach beiseite geschoben. Der Staat dürfe keine Schulden aufnehmen, weil … Ja wieso eigentlich, offiziell wird von der Generationengerechtigkeit gesprochen. Wir dürften nicht eine Belastung für die nachfolgenden Generationen sein. Doch dies ist Ideologie.

Eine Investition ist nicht für die Ewigkeit, doch grundsätzlich für einen langen Zeitraum gedacht. Je länger desto besser. Berlin hat heute ein gut ausgebautes Netz aus U- und S-Bahn. Für dieses Netz wurden Kredite aufgenommen, um es zu bauen. Wäre dies nicht möglich gewesen, wäre das Netz heute wesentlich kleiner und an anderer Stelle hätte Berlin jetzt ein großes Verkehrsproblem. So müssen wir endlich davon weg, Staatsschulden als etwas schlechtes zu sehen und wir müssen von der Ideologie weg, dass der Staat nicht effizient arbeiten kann. Stattdessen muss das öffentliche Handeln für den Bürger sichtbar werden. Geheimhaltung des Staates darf es nicht mehr geben. Dazu gehören auch Verträge mit der Privatwirtschaft.

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