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Eine endlose Geschichte, die hier erzählt werden soll.

28.01.12 Die PPP-Verschwörung

Heute habe ich bei der taz einen Artikel über sog. Public-Private-Partnerships gelesen. In der Theorie ein Weg, wie der Staat das Wissen und Erfahrung der Privatwirtschaft für bestimmte Aufgaben nutzen kann, um sie besser oder zumindest effizienter erledigen zu können. In der Praxis ist es ein guter Weg für die Privatwirtschaft risikolos öffentliche Aufträge zu erhalten. Risikolos, weil die öffentliche Hand dieses meist übernimmt und die Details eher unter das Geschäftsgeheimnis des Unternehmens fallen und nicht einmal dem Parlament offen stehen.

Was diese PPP-Geschäfte zu einer Verschwörung machen lassen ist, dass der Staat und die Wirtschaft in Unternehmen, wie z.B. in der von der taz erwähnten ÖPP Deutschland AG, gemeinsame Sache machen. Der Staat berät Kommunen, Länder und den Bund wie solche Verträge abwickeln soll, doch die Wirtschaft sitzt hier gleich mit am Tisch. So entstehen komplexe Verträge, die niemand wirklich sehen darf und niemand wirklich mehr versteht, jedenfalls auf staatlicher Seite. So steigt der „Festpreis“ für die Elbphilharmonie seit Jahre an, so musste der Staat für die weitere Absicherung der Baustelle auf der A1 bezahlen, weil dies angeblich nicht im Vertrag festgeschrieben worden ist.

Weiterer Punkt ist, die taz vermute, dass bedingt durch die Schuldenbremse für Bund und Länder PPP-Projekte häufiger werden, sie könnte bald zu einzigen Möglichkeit werden große Investitionen zu tätigen, weil sich der Staat dieser Möglichkeit selbst beraubt hat. Am Anfang stand eine Ideologie, eine Ideologie, die sich als solche nicht verstand, sie behauptete jedoch, dass der Staat unfähig sein, und nur die Privatwirtschaft wirklich effizient sein könnte. Danach wurden staatliche Schulden als das Grundübel überhaupt bekämpft.

Dass jede Wirtschaftseinheit, ob staatlich oder privat, Schulden aufnimmt und braucht, um zu funktionieren, wurde einfach beiseite geschoben. Der Staat dürfe keine Schulden aufnehmen, weil … Ja wieso eigentlich, offiziell wird von der Generationengerechtigkeit gesprochen. Wir dürften nicht eine Belastung für die nachfolgenden Generationen sein. Doch dies ist Ideologie.

Eine Investition ist nicht für die Ewigkeit, doch grundsätzlich für einen langen Zeitraum gedacht. Je länger desto besser. Berlin hat heute ein gut ausgebautes Netz aus U- und S-Bahn. Für dieses Netz wurden Kredite aufgenommen, um es zu bauen. Wäre dies nicht möglich gewesen, wäre das Netz heute wesentlich kleiner und an anderer Stelle hätte Berlin jetzt ein großes Verkehrsproblem. So müssen wir endlich davon weg, Staatsschulden als etwas schlechtes zu sehen und wir müssen von der Ideologie weg, dass der Staat nicht effizient arbeiten kann. Stattdessen muss das öffentliche Handeln für den Bürger sichtbar werden. Geheimhaltung des Staates darf es nicht mehr geben. Dazu gehören auch Verträge mit der Privatwirtschaft.

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25.01.12 Wie ich schreiben lernte

Meine Erinnerungen an meine Grundschulzeit verblassen mit zunehmenden Alter. Dies ist wahrscheinlich eine kluge Einrichtung, so muss ich mich irgendwann nicht mehr an viel aus dieser Zeit erinnern und habe das Gefühl sie überwunden zu haben.

An diesem Wochenende jedoch, habe ich mich sehr genau daran erinnert, wie ich damals schreiben lernen musste. Wie meine damalige Grundschullehrerin der 1. und 2. Klasse dies gemacht hat und auch welche Gefühle mich dabei heute nicht in Ruhe lassen.

Es began, wie es wohl beginnen musste, mit dem lernen der Buchstaben und Zeichen, immer wieder musste ich diese Aufmalen. Ich sehe vor mir mein Schulheft seitenweise mit dem Buchstaben A beschrieben oder Zeilen mit abwechselt die Buchstaben J und I. Wichtig schien nicht nur, dass die Bögen der lateinischen Ausgangsschrift richtig, sondern auch, dass sie schön waren.

Der nächste Schritt war für mich der aus meiner heutigen Sicht fatale. Wörter schreiben lernen, Silbentrennung lernen. Das heißt, weniger lernen als pauken stand auf dem Programm. Regelmäßig erhielt wir als Hausaufgabe einen A4-Bogen mit einer langen Liste von zusammenhanglosen Wörtern. Diese sollten wir dann einmal selbst aufschreiben und einmal in Silben getrennt. Was wir sonst mit diesen Wörtern gemacht haben, weiß ich nicht mehr. Einzig und allein diese stupide Arbeit ist mir im Gedächtnis geblieben.

Zweite Maßnahme zum erlernen des Schreibens, waren tägliche Diktate. Ich, der nur sehr langsam schrieb hatte große Schwierigkeiten zu folgen. Zudem war meine Rechtschreibung noch schlechter als heute. Die Entscheidung wie etwas  oder ob es groß oder klein geschrieben werden sollte, brauchte bei mir zu viel Zeit. So machte ich bei diesen Diktaten viele Fehler, zu viele Fehler in den Augen meiner Lehrerin. Heute weiß, dass sie mir dafür regelmäßig eine schlechte Bewertung ins Klassenbuch eingetragen hat und auch wenig Hoffnung sah, dass ich es überhaupt noch einmal lernen werde.

Heute denke über Spätfolgen dieses Lernens nach. Darüber, dass ich große Probleme habe, Gedanken und Gefühle zu Papier bzw. auf die Tastatur zu bringen. Dass der eigentlich kreative Akt des Schreibens mir wie eine große Last vorkommt und ich mich regelmäßig überwinden muss. Dass ich bei Klausuren, wo ich unter Druck und schnell schreiben muss und versage, während ich bei mündlichen Klausuren gut abgeschnitten habe. All das ist für mich eine frustrierende Feststellung. Wie sehr sich ein Erlebnis in der Kindheit, welches nun über 20 Jahre zurückliegt im Laufe der Zeit verfestigt zu haben scheint.

Heute stelle ich mir die Frage, wie ich es überwinden kann. Wie bekomme ich es hin, dass ich diese Blockade, die mich davon abhält etwas zu schreiben, überwunden? Während ich dies hier schreibe, habe ich viele gute Ideen, viele inhaltliche Punkte, die ich hier gerne niedergeschrieben hätte. Es gebe vielmehr über dieses Thema, was ich eigentlich unbedingt loswerden wollte und immer noch will. Doch es hat den Weg vom Kopf in die Tastatur nicht geschafft. Irgendwo in der Mitte blieben sie stecken. Und ich kann sie danach nicht mehr wieder finden. Es geht hier nicht, um eine Formulierung, die scheinen viele zu vergessen, wenn sie beginnen einen Text zu schreiben Es geht, um einen inhaltlichen Punkt, um etwas, was ausdrücken wollte aber nicht konnte. So fühlen sich viele Texte von mir unvollständig an. Auch weil ich weiß, dass ich hätte mehr schreiben können.

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17.11.11 Emotionen diskutieren gern

Ich diskutiere gerne und auch gern lange. Interessante Diskussionen halten mich wach und ich fühle mich wohl dabei. Vor allem haben Diskussionen und Debatten für mich den Vorteil zwar Ideen in den Raum werfen zu können, doch sich erst einmal nicht um die Umsetzung und die damit verbunden Probleme auseinandersetzen zu müssen. Nicht, dass ich das nicht könnte, doch es ist etwas, was mir nicht ganz geheuer ist. Emotional geht es natürlich auch zu, ich gehöre leider nicht zu jenen Menschen, die ihre Emotionen in einem solchen Moment zurückhalten können, auch wenn es mir unangenehm sein mag sie vor anderen Menschen zu zeigen.

Heute durfte ich die Emotionen von anderen erleben und die sind mir sehr unangenehm, dass ich deren Argument fast im Eiltempo als sinn- und ziellos bezeichne und sie dann einfach ignoriere. Ich war auf einer Diskussionsrunde über die Energiewende nach Fukushima. Auf dem Podium waren Männer von Greenpeace, dem BDEW, dem Wuppertal-Institut und Vattenfall. Alle sprachen sehr ruhig und konzentriert um die gestellten Fragen herum. Hin und wieder blitzte ein Hoffnungsschimmer auf, doch am Ende war ich für mich persönlich kaum einen Schritt weiter gekommen.

Es waren nicht diese Männer auf dem Podium, sondern das Publikum. Allesamt oder zumindest ein Großteil von ihnen waren Aktive und Idealisten_innen, die sich gegen dieses oder jenes Projekt wehren und dieses mit einem starken Willen, der mich an dogmatische Sozialisten_innen erinnert, tun. So war eine Gruppe anwesend, die sich gegen die geplante Fernwärmetrasse vom Kohlekraftwerk Moorburg nach Altona wehren. Viel schlimmer erlebte ich jedoch, wie versucht wurde, die Debatte um den Klimaschutz mit anderen Debatten zu vermischen. Es wurde von moralischen und ethischen Dingen gesprochen und natürlich auch über die Verteilung zwischen Arm und Reich. Natürlich darf die Verteilungsfrage gestellt werden und natürlich kann sie ein Teil dieser Debatte sein aber letztlich ist sie Teil jeder Debatte, die Verteilungsfrage existierte lange vor der Debatte um den Klimawandel und hat mit diesem wenig zu tun. Sie ist meiner Meinung nach eine Scheindebatte, die vom eigentlichen Problem ablenken kann.

Ähnlich verhält es sich um die Debatte über den westlichen Lebensstandard. Er wurde und wird häufig als Ursache für den Klimawandel herangezogen, doch ist dies nur die halbe Wahrheit. Es ist ja nicht, wofür die Energie benutzt, sondern wie sie erzeugt wird was den Klimawandel ausgelöst hat. So ist es eben unsinnig pauschal hohen Energieverbrauch zu bestrafen, wie es in der Diskussion ankling, sondern den Verbrauch bestimmter Energien, z.B. fossiler Energien, zu verteuern, damit hier ein Umdenken einsetzt. Die Nutzung fossiler Energien ist für das Klima problematisch, unabhängig davon, wer sie nutzt.

So gilt für mich, dass der Klimaschutz keine sozialen Probleme wird lösen können. Es zu versuchen, wird den Klimaschutz komplexer machen und es wird schwieriger sein ihn zu implementieren. Und das ohne zu wissen, ob es überhaupt funktioniert oder ob sich nicht soziale und klimapolitische Maßnahmen gegenseitig aufheben und am Ende sogar alles noch viel schlimmer ist als vorher.

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08.11.11 Vom nicht lesen wollen

In regelmäßigen, manchmal auch unregelmäßigen, Abständen wird jemand dabei erwischt, wie er seine wirklichen Ansichten über bestimmte Gruppen äußert. Sei es, dass es antisemitische Sprüche sind oder rassistische Ansichten. Natürlich sind ihm diese nur versehentlich rausgerutscht und er hat in Wirklichkeit nichts gegen die angesprochene Gruppe und überhaupt, seine besten Freunde würde ja zu dieser Gruppe gehören und daher wäre er völlig unschuldig. Ja, dies kommt einem sehr bekannt vor, alles schon einmal gehört, alles schon einmal gesehen. Wobei es auch mehrmals gewesen sein muss.

Doch frage ich mich immer, ob so etwas überhaupt stimmen kann. Selten passiert ein solcher „Patzer“ in einer freien Rede. Meist sind es, lange im voraus, geschriebene Reden oder (vor)geschriebene Kommentare. Wie kann es hier zu solchen Bemerkungen kommen, wenn sie nicht beabsichtigt gewesen sind? Wie?

Nein, ich muss davon ausgehen, dass solche Bemerkungen oder Kommentare so gemeint sind, wie sie vorgetragen werden. Jemand hat sie geschrieben, jemand hat sich darüber Gedanken gemacht, was er aussagen, was er an den Hörer oder Leser bringen wollte. Und wenn jemand antisemitische oder rassistische Bilder oder Aussagen in seinen Texten benutzt und diese weder danach als solche bezeichnet noch negiert, sondern sie als seine Überzeugung übernimmt, dann muss ich davon ausgehen, dass dies seine Überzeugen sind.

Oft spricht der Erwischte nach dem er ertappt wurde von der sog. „Antisemitismuskeule“. Doch was meint er damit eigentlich? Sie wollen damit meiner Meinung nach vor allem eines ausdrücken, auf Antisemitismus bei Ihnen hinzuweisen ist schlimmer als der Antisemitismus selbst und man würde sie verfolgen und natürlich ihnen die Meinungfreiheit beschneiden. An dieser Reaktion ist eines beruhigend, man merkt ihnen an, dass es ihnen peinlich ist und genau das muss es sein. Solange es für jemanden peinlich ist, des Antisemitismus beschuldigt zu werden, solange man sich herausreden muss, solange es gesellschaftlich nicht akzeptiert wird, eine solche Meinung zu äußern, befinden wir uns noch auf der richtigen Seite. Wir sind also noch nicht an der Klippe und schon gar im Fall.

Leider trifft dies nicht auf alle rassistische Äußerungen zu, vielfach bleiben sie ohne Widerspruche und werden gesellschaftlich akzeptiert. Sei es die vielen antigriechischen Schlagzeilen der „Bild“ in den letzten Monaten oder islamophoben Sprüche, die mittlerweile aus allen politischen Richtungen kommen und mir große Sorgen bereiten. Es ist richtig, dass es nicht dasselbe ist, wenn zwei das Gleiche tun, doch sollten es die gleichen Folgen haben. Ich will keinen Rassismus, Antisemitismus oder Islamophobie im öffentlich-rechtlichen Radio oder im Parlament hören und nein, dass ist kein Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Die sichert nur die Freiheit seine Meinung zu äußern, sie sichert aber niemanden dafür Redezeit im Parlament oder Radio. Es ist notwendig, auf den Rassimus, auf den Antisemitismus und die Islamophobie von öffentlichen Personen hinzuweisen und sie dazu zu bringen von der öffentlichen Bühne zu verschwinden. Der Gesellschaft, wird so gezeigt, dass solche Überzeugungen hier keinen Platz haben, kein Podium und kein Forum.

Ich habe daher wenig Mitleid mit denjenigen, die deshalb zurücktreten, deshalb ihre Sendung verlieren und deshalb die öffentliche Bühne verlassen müssen.

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13.10.11 Von E-Books und Urheberrecht

Auf Google+ wurde über die Aussage von Amazon diskutiert, dass Kindle-Besitzer sehr vielmehr Bücher kaufen/lesen als vorher. Ich halte diese Diskussion für nutzlos und habe mich daher weniger mit der Frage als viel mehr mit den urheberrechtlichen Bremsen des E-Book-Marktes beschäftigt. Hier noch mal mein Kommentar in voller Länge.

Es ist m.E. die völlig falsche Diskussion. Es ist nicht so wichtig, wie viele Bücher ein Leser liest, sondern was er/sie bereit ist dafür zu bezahlen. Ich merke, dass ich nicht bereit bin so viel für ein E-Book zu bezahlen wie für ein gedrucktes Buch.

Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem, die Verlage lassen zu viele Marktnischen offen, sie können dies tun, weil sie ein Urheberrecht beschützt. Es ist ein Monopol, welches dem Autor nur bedingt aber dem Verlag viel nützt. Der Verlag kann ein Buch zu seinem (hohen) Preis verkaufen und den Autor für lange Zeit an sich binden und dem Leser bleibt nur die Wahl zwischen kaufen oder liegen lassen, woanders kaufen bringt nichts.

Als es noch kein Urheberrecht gab, war das Problem ein anderes. Die Verlage mussten schnell sein, offene Marktnischen zu lassen bedeutete, dass ein anderer das Buch einfach genau in diesem Markt herausgeben würde. So erschienen Bücher zeitgleich in verschiedenen Versionen und zu verschiedenen Preisen. Diese Preisdiskriminierung war der einzige Weg für die Verlage ihre Gewinne zu maximieren. Und die Autoren? Die waren sehr gefragt, weil sich mit einem einzelnen Buch nicht viel verdienen lies, mussten die Verlagen viel mehr an Büchern herausgeben. Autoren konnten so sogar höhere Preise erzielen. Sie konnten sich die Verlage aussuchen. Ja, auch die Art der Bücher war anders. Es waren vor allem Ratgeber, praktische Bücher, technische Bücher, etc. pp. Weniger die große Literatur oder die großen Werke.

So, wann und wo soll das gewesen sein? Ja, Deutschland, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wenn es damals einen Kindle gegeben hätte, hätte sich niemand dafür interessiert, wie viele fürs Kindle ein Buch kaufen würden. Wichtig war es nur, diesen Markt nicht den “Nachdruckern” zu überlassen, sondern dort mit konkurrenzfähigen Preisen vertreten zu sein.

Natürlich ist es für mich einfach darüber zu schreiben, ich verdiene mit Büchern nicht meinen Lebensunterhalt. Ich werde dies wohl auch nie. Aber für mich als Volkswirt sind solche Fragen hochinteressant und die Tatsache, dass viele Autoren immer noch glauben, dass Urheberrecht sei für sie geschaffen worden amüsiert mich sehr. Meiner Meinung nach wurde das Urheberrecht geschaffen, um die Verlage zu stärken, ihnen die Möglichkeit zu geben, mit weniger Büchern mehr Geld zu verdienen. Ich weiß allerdings auch, dass Ereignisse von vor 170 Jahre meist nur schwer übertragbar sind, doch interessant ist die damalige Situation schon, gerade in Hinblick darauf, wie sich der E-Book-Markt in Deutschland zurzeit entwickelt und wer hier bremst.

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18.04.11 Ideologien

Wer von Ideologien spricht meint keine Weltanschauung. Wer von Ideologien spricht meint die Veränderung der Welt oder aus seiner Sicht die Verbesserung der Welt. Ideologien sind meist gut gemeint, sie wollen eine Welt schaffen, in der es wahlweise gerechter oder besser ist als heute. Erste Voraussetzung dafür ist es, zu erklären oder zu sagen was schlecht ist oder nicht gut funktioniert in der aktuellen Welt. Der zweite Schritt ist, dass eine Ideologie beschreiben muss, wie dieses Problem einfach gelöst werden kann. In der Realität scheitert diese Lösung jedoch, sie muss scheitert, weil die Realität sich einfachen Lösungen mit aller Macht widersetzt. Sie liebt die Komplexität und diese lässt sich nur selten vereinfachen.

Doch ist es jetzt falsch einer Ideologie zu folgen, weil sie eh nicht umgesetzt werden kann? Nein, ist es eben nicht. Dies wäre genauso falsch, denn es wäre ebenfalls eine Ideologie keine zu haben, jemand würde sich selbst widersprechen, wenn er behauptet keiner Ideologie zu folgen.

Am Ende sind Ideologien ganzheitliche Visionen über die Zukunft einer Gesellschaft, darüber wie sie in Zukunft sein soll und vor allem wie sie nicht sein soll. Nur sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass wenn eine Ideologie umgesetzt würde, sie sich zwangsläufig in ihr Gegenteil verwandelt.

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17.04.11 „Corpus Delicti“

Vor ein paar Jahren wurde Intensiv über Rauchverbote in Gaststätten diskutiert. In vielen Bundesländern wurden entsprechende Gesetze diskutiert und verabschiedet. Ich selbst war damals sehr für solche Gesetze. Mich stört das Rauchen allgemein sehr, es ist mir extrem unangenehm.

Die Autorin Juli Zeh soll aus dieser Diskussion die Inspiration für ihre Geschichte „Corpus Delicti“ bekommen haben. Sie spinnt die Idee weiter, in einen Staat der die körperliche und geistige Gesundheit seiner Bevölkerung zum Staatsziel erklärt hat. Der Staat glaubte damit alle Probleme lösen zu können, allen früheren Versuchen einer Staatsform überlegen zu sein. Denn er hätte ja nur das Beste für die Menschen im Sinn.

Juli Zeh zeigt hier etwas, was bei vielen Ideologien anzutreffen ist. Für jede einzelne Maßnahme, für jede einzelne Idee lässt sich eine gute Begründung finden, ja sogar eine Begründung finden die die Mehrheit der Bevölkerung teilt, wie z.B. mit mir und dem Rauchverbot in Gaststätten. So kann Zeh einen Charakter auch ohne Probleme genau dies als Begründung für die Staatsideologie vortragen lassen. Alle Maßnahmen seien ja nur zum Besten der Menschheit gedacht.

Doch nimmt ein Staat alle Maßnahmen und alle Ideen zusammen und baut daraus eine Ideologie werden die eigentlich gut gemeinten Ideen und Maßnahmen zu einer Gefahr. Sie werden Teil eines Systems, in dem es nicht mehr darum geht, dass der Mensch gesund und glücklich ist, sondern in dem er einer Norm entspricht.

So muss sich eine Ideologie zwangsläufig in ihr Gegenteil verkehren, denn in dem der Staat mit immer neuen Regeln die Verhaltensweisen der Menschen zu regulieren versucht je kränker werden diese. Sie versuchen entweder krampfhaft diese Regeln zu beachten oder sich Freiräume zu schaffen, welche vom Staat als Bedrohung hart bekämpft werden.

Und genau hier fällt die Hauptdarstellerin rein, Mia Holl will sich krampfhaft an die Regeln halten, sie will dazu gehören. Doch der Tot ihres Bruders Moritz lässt sie an der Staatsideologie zweifeln. Etwas, was die Ideologie nicht vorgesehen hat, der Apparat kennt nur schwarz und weiß. So wird aus einer Frau die eben noch von der Ideologie überzeugt war immer mehr jemand der diese Ideologie ablehnt, sogar bereit ist gegen sie zu kämpfen.

So schaffen sich Ideologien auch immer ihre eigenen Feinde. Dies Feinde haben jedoch aus Sicht der Ideologie zwei Seiten oder Aufgaben. Sie dienen der Legitimation von Repression und Unterdrückung und zum anderen stellen sie eine reale Gefahr für die Ideologie dar.

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08.02.11 „In alle Ewigkeit“

Wie mit der Zukunft kommunizieren, wie mit Leuten kommunizieren von denen man keine Vorstellung hat? Ohne eine Vorstellung darüber, was sie wissen, wie sie leben oder wie sie selbst kommunizieren.

Dieser Frage geht Michael Madsen in der Dokumentation Into Eternity nach. Er besucht dazu das finnische Endlager für Atommüll Onkalo. Hier soll bis ins 22. Jahrhundert der Atommüll Finnlands für mindestens 100.000 Jahre sicher gelagert werden. Sicher bedeutet, dass die Radioaktivität nicht an die Umwelt gelangen kann und so keine Gefahr für das Leben darstellt. Das Endlager wird zurzeit in einer Tiefe von ca. 520 m in den Fels gebohrt und soll diese Sicherheit bieten.

Der Film beginnt mit der Zwischenlagerung von Atommüll in Wassertanks, diese sei nur für die nähere Zukunft möglich. Jedoch wird diese mit der Zeit zunehmend unsicherer. Die Oberfläche befindet sich in einem konstanten Wandel. Ein solches Zwischenlager muss Rund um die Uhr überwacht und gesteuert werden. Es erfordert ständige Wartung, um die geforderte Sicherheit aufrecht zu erhalten.

So muss eine langfristige und auch wartungsfreie Lösung für den Atommüll gefunden werden, für die Finnen dies die Onkalo. Ein Bergwerk in einem massiven Fels nahe der Atomkraftwerke Olkiluoto. Dieser Fels ist laut Film knapp 1,8 Millionen Jahre alt. Damit glauben die Verantwortlichen in Finnland einen stabilen Ort für die nächsten 100.000 Jahre gefunden zu haben. Welch eine unvorstellbare Zahl. Der Film zeigt wie sehr sich diese Zahl unserem Vorstellungsvermögen entzieht. Unsere bekannte Geschichte umfasst gerade einmal die letzten 5000 Jahre.

Der Film kann und will keine Antworten geben, seine Aufgabe sieht er darin Fragen zu stellen, Fragen auf die es vielleicht nie eine Antwort geben wird. So wird diskutiert, ob es nicht besser ist Onkalo in Zukunft zu vergessen. Einen wahrhaft vergessenen Ort zu schaffen, um so die Wahrscheinlichkeit des Entdeckens gering zu halten.

Aber was ist, wenn die Leute in der Zukunft den Ort entdecken. Wie warnen wir sie vor der Gefahr, die von dem radioaktiven Müll ausgeht? Es sind Schrifttafeln, Symbole und irgendwie geartet Fallen im Gespräch und auch die Möglichkeit, dass diese Maßnahmen erst das Interesse an diesem Ort wecken. Es wird darüber diskutiert, ob man Annahmen über die Leute treffen kann, die den radioaktiven Müll finden könnten. Weiß jemand der durch massiven Fels bohren kann, was Radioaktivität ist?

Es wird nicht deutlich, ob sich zu diesen Fragen Antworten finden lassen. Die Gesprächspartner von der finnischen Betriebsgesellschaft, sowie schwedischer und finnischer Behörden zeigen sich mehr oder weniger Betriebsblind für diese Fragen. Nur hin und wieder lassen sie ihre eigene Unsicherheit über das bevorstehende erkennen, darüber dass sie es nicht genau wissen können.

Ein sehenswerter Film, aber nicht um dann über die möglichen Antworten zu diskutieren, sondern um weiter an der Frage zu arbeiten und zu diskutieren. Wahrscheinlich werden erst die nächsten Generationen, die keine Atomkraft mehr kennen eine Antwort auf unsere Frage haben. Sie werden die Betriebsblindheit unserer Generation abgelegt haben. Ihre Aufmerksamkeit wird vollständig unserer gefährlichen Hinterlassenschaft gewidmet sein. Doch können wir uns wirklich auf die folgenden Generationen verlassen?

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30.01.11 Meine Erfahrungen mit der Frauenquote

In der Karrierebibel von Jochen May habe ich mich zu einer Diskussion um die Frauenquote für Führungskräfte hinreißen lassen.

Die Diskussion dreht sich für mich seit 15 und viele andere seit wahrscheinlich über 20 Jahren um mehr oder weniger die gleichen Punkte. Für die Gegner der Quote ist sie eine Form der Diskriminierung, weil dann Männer ausgeschlossen würden, weil sie Männer sind. Es würde zu mehr Mittelmaß in Unternehmen kommen, weil angeblich Qualifikation und persönliche Eignung nicht mehr die einzigen Kriterien seien und es sei populistisch eine Quote zu fordern, weil sich das Problem durch die demografische Entwicklung verlagern würde. Letzteres Argument von May ist mir jedoch unverständlich geblieben. Meist kommt als drittes Argument, dass durchsetzungsfähige Frauen keine Quote brauchen würden oder dass Frauen an einer solchen Arbeit kein interesse hätten. Wie man aus meiner Zusammenfassung dieser einzelnen Argumente sicherlich lesen kann, stimme ich mit ihnen nicht überein.

Meine Erfahrungen mit der Quote sind nicht immer positiv gewesen. Ich wurde mindestens einmal nicht in ein Amt gewählt, weil ich eben ein Mann bin und die Quote sonst nicht erfüllt worden wäre. Aber ich habe auch begriffen wie fragil das Gebilde sein kann, welches eine Quote erzeugt. So waren bei der Bezirkskonferenz des Juso-Bezirks Hannover, auf der die harte Quote von 50 % und sämtliche Konsequenzen für nicht-quotierte Delegationen abgeschafft wurden, noch weit über 50 % der Delegierten Frauen. Nur ein Jahr später wurde nicht einmal mehr die weiche Quote von 40 % erfüllt. Es bestand nicht mehr die Notwendigkeit für die Unterbezirke Frauen für die Mitarbeit auf der Bezirkskonferenz zu gewinnen. Die Quote war notwendig, damit die Gliederungen überhaupt darüber nachgedacht haben, Frauen für die Arbeit in der Organisation und den Gremien zu begeistern. Aber es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Konsens, dies auch ohne Zwang zu tun. Es wurde noch als ein Übel angesehen, über welches man sich jedes Jahr aufs neue aufregen und diskutieren musste, bis es dann gekippt wurde. So stellt sich die weitere Diskussion über die Quote für mich als ein Indikator dar, dass die Quote weiterhin notwendig ist.

Mir ist klar, dass ich auch in Zukunft an der Quote scheitern kann. Mir ist jedoch genauso klar, dass heute viele hochqualifizierte Frauen an der Karriere scheitern, weil es eben keine Quote gibt. Sie bekommen nicht einmal die Chance, sich in einer bestimmten Position zu beweisen. Für sie ist die so genannte “gläserne Decke” eine bittere Realität.

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25.01.11 Der Sinn von Schule

Heute habe ich in der ARD-Mediathek die Dokumentation Mathe bei Mutti von Rita Knobel-Ulrich gesehen. In dieser Sendung ging es um drei Familien, die sich weigern ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken. Zwei christliche Großfamilien und eine alternative Familie.

Die Dokumentation war meiner Meinung nach unkritisch über die Gründe, wieso diese Familien den Besuch einer öffentlichen Schule verweigert haben. Stellenweise wirkte der Film so, als würde die Autorin gerne zeigen wollen: seht her, Unterricht daheim funktioniert. Es wird gezeigt, wie gut die Kinder der beiden christlichen Familien später in Realschule und Berufsschule mithalten können oder dass der älteste Sohn der alternativen Familie Abitur macht.

Nur zwei Mal kommen kritische Töne. So fragt die Dokumentation, als der Vater meint es wären ja seine Kinder und nicht die des Staates, ob Kinder überhaupt jemanden gehören würden und am Ende der Sendung, ob Kinder und Jugendliche die einem solchen Umfeld aufwachsen, überhaupt die Chance auf einen eigenen Weg haben. Leider wurden diese beiden Kritikpunkte überhaupt nicht weiterverfolgt. Die Eltern wurden mit ihnen nicht konfrontiert und auch die Kinder mussten sich damit in der Sendung nicht auseinandersetzen.

Für mich stellt die allgemeine Schulpflicht eine emanzipatorische Errungenschaft für Kinder und Jugendliche dar. Sie ermöglicht es überhaupt eine Welt jenseits der elterlichen Wohnung kennenzulernen. Menschen treffen zu müssen, die aus anderen Zusammenhängen kommen als man selbst. Die Schule ist damit so etwas wie der erste Schritt in ein eigenes Leben, zumindest sollte sie dies meiner Meinung nach sein.

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