„Was beschäftigt dich?“

Ich weiß nicht seit wann aber gerade sehe ich, dass WordPress auf dem Dashboard fragt, was einem so beschäftigt. Und mich beschäftigt aktuell viel und leider mag ich über das wenigste davon öffentlich sprechen geschweige denn schreiben.

So beantworte ich die Frage oft mit einem grummeligen „nichts“. Und wenn ich dann etwas aufschreibe, wirkt es beim Lesen oft als wäre ich durch ein Labyrinth gegangen. Ich bräuchte wirklich mal jemanden der für mich eine Art Redakteur spielt, damit ich auch mal das Gefühl habe, ich werde besser darin meine Gedanken zu ordnen.

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Charlie Hebdo und der Backlash

Wie wohl die meisten außerhalb Frankreichs war Charlie Hebdo für mich bis letzte Woche unbekannt. Vielleicht habe ich mal davon gehört, vielleicht wurde es mal in einem Halbsatz erwähnt. Doch erst als zwei Terroristen 10 Mitglieder und Mitarbeiter der Redaktion von Charlie Hebdo umbrachten, brannte sich der Name bei mir ein.

Daraufhin gab es eine große Sympathie-Welle, quer über die gesamte Welt. Jeder war plötzlich Charlie. Ich empfand das als ermutigend, die Welt zeigt Solidarität mit einer kleinen und unbekannten Zeitschrift. Doch der Gegenwind ließ nicht lange auf sich warten. Einige sagten offen, sie wären nicht Charlie. Dies waren keine Menschen die in irgendeiner Form den Terroristen nahestehen, sondern ihnen missfiel Charlie Hebdo grundsätzlich. Sie empfanden die Darstellungen dieser Zeitschrift nicht nur als geschmacklos, sondern auch als rassistisch, sexistisch oder/und als islamfeindlich. Dies waren Leute die ich mochte, deren politische Meinung ich meist unterstützte.

Nur wollte ich mehr wissen. Viel mehr. Charlie Hebdo ist eine Satirezeitschrift, ihre Karikaturen kann man nicht wörtlich nehmen genauso wenig, wie man die der Titanic wörtlich nehmen darf. Auch ist Satire wie kaum etwas anderes kontextabhängig. Wer nicht weiß, worauf sich einzelne Elemente einer Karikatur beziehen, wird auch die die Karikatur nicht verstehen. Auch ist es keine Schutzbehauptung von Charlie Hebdo Satire zu sein, sie hat sich nie als etwas anderes als Satire gesehen.

Eine französische Bloggerin hat sich aufgrund des Gegenwindes darüber beschwert, dass viele die jetzt gegen Charlie Hebdo argumentieren, sich nicht einmal die Mühe machen die Karikaturen und ihre Hintergründe zu verstehen, sich nicht die Mühe machen das Umfeld von Charlie Hebdo zu verstehen.

Ich wünschte mir einen differenzierten Blick auf Charlie Hebdo. Es ist eine linke Satirezeitschrift die seit Jahrzehnten Autoritäten ohne Respekt attackiert. Dies kann auch mal sehr geschmacklos sein. Und ich will nicht leugnen, das bei einigen gezeigten Karikaturen ein seltsames Gefühl in der Magengegend hatte und habe. Selbst jetzt wo ich Erklärungen dazu gelesen habe. Und dies ist nicht neu, Kurt Tucholsky schrieb 1919 über französische Karikaturen:

Wir sollten gewiß nicht den scheußlichen unter den französischen Kriegskarikaturen nacheifern, aber welche Kraft lag in denen, welch elementare Wut, welcher Wurf und welche Wirkung! Freilich: sie scheuten vor gar nichts zurück.

Mein Ziel ist es nicht, Charlie Hebdos Arbeit in Schutz zu nehmen oder es zu verteidigen. Und mir ist auch klar, dass Wahrnehmung etwas individuelles ist und viele auch mit Erklärung des Kontexts mehr als nur geschmacklose Karikaturen sehen. Mir geht es aber darum, dass man mit den Worten “Je suis Charlie” eben nicht sich das Gesamtwerk von Charlie Hebdo zu eigen macht, sondern seine Solidarität.

P.S. In der selben Zeit verübte die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram ein Massaker bei dem wohl mehr als 2000 Menschen umgebracht wurden. Dies war in vielen westlichen Medien bloß eine Randnotiz. Von dem was ich in den letzten 7 Tagen über Charlie Hebdo gelernt habe, wäre diese Unverhältnismäßigkeit der Berichterstattung bestimmt ein Thema für die Zeitschrift gewesen.

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Was ist privat?

Diese Woche war das Thema Privatsphäre bei mir sehr groß geschrieben. Und es löst bei mir Unbehagen aus. Nicht nur weil ich ein intensiver Nutzer sozialer Netzwerke bin, sondern auch, weil ich glaube das ich durch diese Nutzung ein Vorteil habe.

Aber die Vorstellung darüber, was Unternehmen wie Google oder Facebook und Geheimdienste wie NSA, GCHQ oder BND über mich und andere wissen beunruhigt mich schon. Und es wirkt, als könne dagegen nichts unternommen werden. Zu anderen Anbietern wechseln könnte eine Option sein, doch durch Netzwerkeffekte ist dies meist nur ein kleiner Schutz. Gleichzeitig empfinde ich die Haltung vieler DatenschützerInnen als zu extrem, dass ich mich frage, ob es hier wirklich, um Datenschutz geht.

Vielleicht befinde ich mich schon in einem dem Stockholm-Syndrom nahestehenden Zustand und möchte nicht auf meine geliebte Onlinewelt verzichten. Eine Welt die mir neue Kontakte beschert hat, die mir automatisch das Wetter und Verkehrsmeldungen zeigt, oder Nachrichten zu Themen nach denen ich oft suche. Für all diese Dienste müssen Daten gesammelt, verknüpft und ausgewertet werden.

Daten sind allerdings nicht harmlos, genau wie sie mir Information zu meiner Lieblingsfußballmannschaft liefern können, können sie mir auch schaden, ob dies ein Kredit ist, den ich nicht bekomme oder gar eine Anzeige für irgendwas ist. Nicht wenige befürchten, dass diese Entwicklung in einer Überwachungsgesellschaft enden wird, wo niemand mehr anonym etwas tun kann und alles allen bekannt ist (oder wenige alles über alle wissen). Und da Überwachung durchaus zu Verhaltensänderungen bei Menschen führt, könnte eine solche Gesellschaft eine sehr unfreie Gesellschaft sein. Gibt es auch eine andere Möglichkeit?

Vielleicht erleben wir mit Daten das Gleiche, was wir mit dem Internet erleben, es wirkt strukturverstärkend. In einer offenen Gesellschaft führt es zu mehr Offenheit, in einer unfreien Gesellschaft zu mehr Unfreiheit.

Für mich ist es nicht nur wichtig zu regulieren, wie Daten gesammelt, sondern auch zu regeln, wie sie verknüpft und genutzt werden dürfen. Und dies für alle Bereiche, wenn sich endlich durchsetzt, dass eine IP-Adresse alleine eben nicht generell eine einzelne Person identifiziert, darf sie auch nicht als Beweis akzeptiert werden, dass eine einzelne Person etwas getan hat.

Dies ist alles konfus und alles andere als ausgearbeitet oder gar recherchiert. Einfach nur ein paar Gedanken, die vielleicht eher meinen Kopfschmerzen heute zuzurechnen sind als einer klaren Erkenntnis, daher gelten hier die weisen Wort von John Maynard Keynes: „When my information changes, I alter my conclusions.“

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Schreiben und schreiben lassen

Ich würde gerne viel häufiger hier etwas schreiben, doch so richtig wollen mir keine Themen einfallen, die hier hin passen könnten. Entweder es fühlt sich sehr persönlich an und am Ende uninteressant. Und damit meine ich nicht für den Leser, sondern für mich. Denn, wenn man seine Leserschaft an zwei Händen abzählen kann, ist das nicht so ganz wichtig.

So möchte ich doch mehr über die Themen schreiben, die mich interessieren. Wie z.B. der Energiemarkt funktioniert oder wie ein Verkehrsunternehmen seine Dienste anbieten kann. Es sind Themen die mich eigentlich ständig irgendwie beschäftigen, nur will einfach kaum eine richtige Eingebung für einen konkreten Aspekt aus diesem Bereich ergeben. Das ist doch blöd, oder?

Genauso möchte hier darüber schreiben, was ich schönes in den letzten Wochen erlebt habe. Der August ist nämlich alles andere als ein schlechter Monat gewesen. Nur schöne Momente verliert man leicht aus den Augen. Und da kommen wir zum Thema „Schreiben lassen“. Die Pepps hat einen schönen Text über ihren Blick auf den Hamburger Hafen geschrieben, den ich euch sehr empfehlen möchte.

Und nun gehen mir auch schon wieder die Wörter aus. Hoffentlich dauert es bis zum nächsten Eintrag nicht so lange wie bis zu diesem Text.

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Provozieren und provozieren lassen

Heute gab es wieder einmal im Schanzenviertel Ausschreitungen zwischen DemonstrantenInnen und der Polizei. Wieder einmal wird die Gewalt der Polizei verharmlost und die der DemonstrantenInnen in den Vordergrund gestellt. Wieder einmal wird die Gewalt der Polizei nicht in Frage gestellt und niemand wird dafür zurücktreten müssen.

Nur was ist eigentlich passiert? Die Demo betrat die erlaubte Route von der Roten Flora aus und kam auf die Eisenbahnbrücke über das Schulterblatt zu. Auf der anderen Seite der Brücke blockierte die Bereitsschaftspolizei den Demonstrationszug und es ging nicht weiter. Begründet wurde dies damit, Unbekannte hätten die Polizei von der Eisenbahnbrücke mit Gegenständen beworfen, ob dies stimmt weiß irgendwie niemand, in Frage gestellt wird es kaum bis gar nicht. Und dann kommt, was kommen musste, irgendwelche Idioten werfen wirklich Gegenstände in Richtung Polizei und diese nimmt dies zum Grund, Schlagstöcker und Wasserwerfer gegen die Demonstration einzusetzen.

Für mich war die Blockierung der Demonstrationsroute eine gezielte Provokation durch die Polizei. Sie musste wissen, was passiert. Sie musste wissen, was die Folge daraus sein wird, sich dieser Demonstration in den Weg zu stellen. Oder war die Einsatzleitung wirklich so naiv zu glauben, die TeilnehmerInnen würden dann ihre Sachen packen und nach Hause gehen? Oder sich bloß hinzusetzen und zu warten? Die folgenden Ausschreitungen waren keine Überraschung.

Vor allem weil über die Jahre die Demonstrationen und Ausschreitungen im Schanzenviertel genau jene DemonstrantenInnen angelockt haben, die auf diese Weise provoziert werden können. Und diese DemonstrantenInnen liefern dann auch genau die Bilder, die für die Begründung solcher Polizeieinsätze notwendig sind.

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