31.12.10 Der Himmel über Kairo
Im Sommer erschien ein Tumblr-Blog mit dem Namen Muslims Wearing Things, es sollte auf das Racial Profiling aufmerksam machen, welches von vielen konservativen Kommentartoren in den USA und anders wo propagieren.
Eine der vorgestellten Menschen in dem Blog ist die Comicautorin und Journalistin G. Willow Wilson. Sie lebte nach der Uni für einige Jahre in Cairo und für verschiedene amerikanische Zeitschriften und Zeitungen über Ägypten und den Nahen Osten geschrieben.
2007 erschien dann ihr Comicbuch Cairo. In diesem Buch erzählt Wilson die Geschichte von fünf sehr unterschiedlichen Menschen, eine israelische Soldatin, ein ägyptischer Drogenkurier, ein oppositioneller Journalist, eine amerikanische Touristin und ein Selbstmordtäter in spe. Zu ihnen gesellt sich noch ein Dschinn. Im verlauf der Geschichte lernen alle Personen neues über sich und die anderen und sie lernen dass es sehr von der eigenen Perspektive abhängt wie Symbole gedeutet werden.
Diese mögliche Umdeutung oder Neudeutung von den immer gleichen Symbolen bezeichnet Wilson als Hyperpraxis und stellt die zentralen Angelpunkt ihrer Comicreihe Air dar. In Air geht es um die Flugbegleiterin Blythe und darum, was Karten eigentlich wirklich sind. Ein Symbol, welches interpretiert werden muss. So verschwinden ganze Länder von der Karte und sind dann auch wirklich nicht mehr zu finden oder ein Flugzeug bewegt sich nur Kraft der Interpretation ihres Ortes.
Zwei sehr lesenswerte Comics auch wenn die Idee mit der Wilson hier Flugzeuge fliegen lässt, Ähnlichkeiten mit dem Infinite Improbability Drive aus Douglas Adams Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy hat.
30.12.10 Mein Jahr 2010
Für mich hatte das Jahr 2010 keine Höhen und Tiefen. Es war für mich eine Wanderung durch ein tiefes, finsteres Tal. Und nein, dass ist keine Anspielung auf irgend einen Psalm. Denn dort war ja noch Gott an der Seite und spendete Trost. Bei mir schien alles verloren zu sein. Keine Motivation wollte in mir aufkommen, kein Wille all die Ideen, die sich in meinem Kopf versammelten zu sortieren und umzusetzen. Stattdessen eine Lethargie von ungeahnten Ausmaßen.
Dabei hat es durch aus schönes in diesem Jahr gegeben. Durch Twitter habe ich wohl mehr verschiedene Menschen 2010 kennengelernt als ich es mir je vorstellen konnte. Ich erinnere mich dabei gern an die IMMFv4-Ausstellung im Februar oder die Jour-Fitz-Lesungen in Hamburg und Kiel. Ich erinnere mich an die vielen schönen Meme, wie den Blumenkübel oder die Einbuchstabedanebentiere. Und ich erinnere mich an die Bücher, wie z.B. Die Leinwand, Und im Zweifel für dich selbst oder Cairo, die in diesem Jahr entdeckt und gelesen habe.
Und so muss ich feststellen, dass ich gar nicht allein durchs finstere Tal gegangen bin. Viele waren da und haben mich begleitet und getröstet, meist wussten sie es gar nicht. So war ich dieses Jahr gar nicht allein.
Und so ich doch nicht nur negativ auf das 2010 gucken kann, hoffe ich auf ein gute und gar besseres 2011. Ein Jahr in dem ich endlich meinen Weg einen schritt weiter gehen kann.