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Eine endlose Geschichte, die hier erzählt werden soll.

Provozieren und provozieren lassen

22 Dezember 2013 by Thomas

Heute gab es wieder einmal im Schanzenviertel Ausschreitungen zwischen DemonstrantenInnen und der Polizei. Wieder einmal wird die Gewalt der Polizei verharmlost und die der DemonstrantenInnen in den Vordergrund gestellt. Wieder einmal wird die Gewalt der Polizei nicht in Frage gestellt und niemand wird dafür zurücktreten müssen.

Nur was ist eigentlich passiert? Die Demo betrat die erlaubte Route von der Roten Flora aus und kam auf die Eisenbahnbrücke über das Schulterblatt zu. Auf der anderen Seite der Brücke blockierte die Bereitsschaftspolizei den Demonstrationszug und es ging nicht weiter. Begründet wurde dies damit, Unbekannte hätten die Polizei von der Eisenbahnbrücke mit Gegenständen beworfen, ob dies stimmt weiß irgendwie niemand, in Frage gestellt wird es kaum bis gar nicht. Und dann kommt, was kommen musste, irgendwelche Idioten werfen wirklich Gegenstände in Richtung Polizei und diese nimmt dies zum Grund, Schlagstöcker und Wasserwerfer gegen die Demonstration einzusetzen.

Für mich war die Blockierung der Demonstrationsroute eine gezielte Provokation durch die Polizei. Sie musste wissen, was passiert. Sie musste wissen, was die Folge daraus sein wird, sich dieser Demonstration in den Weg zu stellen. Oder war die Einsatzleitung wirklich so naiv zu glauben, die TeilnehmerInnen würden dann ihre Sachen packen und nach Hause gehen? Oder sich bloß hinzusetzen und zu warten? Die folgenden Ausschreitungen waren keine Überraschung.

Vor allem weil über die Jahre die Demonstrationen und Ausschreitungen im Schanzenviertel genau jene DemonstrantenInnen angelockt haben, die auf diese Weise provoziert werden können. Und diese DemonstrantenInnen liefern dann auch genau die Bilder, die für die Begründung solcher Polizeieinsätze notwendig sind.

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4 comments | Categories: Meinung

Comments (4)

  1. Das sehe ich etwas anders. Die Demonstranten waren zwar auf der geplanten Route unterwegs, haben sich aber zu einem Zeitpunkt in Bewegung gesetzt, der nicht abgesprochen war. Hast du Live-Mitschnitte gesehen? Das war krass. Ein Gewaltpotential, das ganz andere Auswirkungen hätte haben können. Ich bin froh, dass die Polizei da so frühzeitig eingegriffen hat und nicht wartet, bis alles eskaliert. Am Abend davor wurde bereits die Davidwache angegriffen. Da haben diese Vollidioten schon gezeigt, worum es ihnen eigentlich ging. Es wurden im Internet vorab Hetzvideos gegen die Polizei veröffentlicht und angekündigt, dass Ausschreitungen geplant werden. Das sind Leute, denen die bloße Anwesenheit der Polizeit schon “Provokation” genug ist. Sicherlich gab es auch einen Bruchteil an Menschen, die friedlich protestiert hätten, für die tut es mir leid.

    Und ganz evtl. könnte man auch Rückschlüsse über die Absichten der “Demonstranten” ziehen, wenn man sich überlegt, dass diese schon Steine und Feuerwerkskörper etc. von vorneherein bei sich trugen. Zufall?? Oder meinst du ernsthaft, dass diese Idioten sagen: “Ich nehm das nur mit, falls die Polizei gemein zu uns ist?” Mit ZERSTÖRUNG für ERHALT zu demonstrieren…diese Logik ist absolut schwachsinnig.

    • Ich stimme dir in so weit zu, als dass sich die Demonstranten provoziert haben lassen vielleicht sogar provozieren lassen wollten. Ich kann mich halt auch an andere Zeiten erinnern. Die Konflikte mit der Polizei waren immer da, man mochte die als Vertretung der Staatsmacht nie. Aber damals hat man sie ausgestanden oder gesessen. Ich kann mich an eine Demo durch Schanzenviertel erinnern, das muss so 1997 oder 98 gewesen sein, da wurde die Demo angehalten bis die Polizei verschwunden ist und dann ging es friedlich auf der Demoroute weiter. Und ja die Demo wurde vorher in der Roten Flora vorbereitet und alles.

      Ich glaube, dass sich hier Polizei und Demonstranten sich über die Jahre immer weiter hochgeschaukelt haben. Von wem das letztlich ausging ist glaube ich heute nicht mehr herauszufinden.

      Wo ich dir jedoch vollständig zustimme, diese Demo gestern hat nicht dazu beigetragen, in der Bevölkerung Sympathien für den Erhalt der Roten Flora zu wecken, eher im Gegenteil.

      Für mich ist es wichtig gewesen, noch einmal auf diese Provokation der Polizei am Beginn der Demo hinzuweisen. Überall wird nur noch über die Krawalle gesprochen. Und so sehr ich auch ablehne, was da gestern passiert ist, so sehr bin ich für den Erhalt der Roten Flora als autonomes Kulturzentrum.

      P.S. Habe deine beiden Kommentare zu einem zusammengefasst.

  2. Die Polizei und die Demonstranten…du stellst das hin wie eine kleine Rangelei aufm Spielplatz früher…”Der hat aber angefangen!”, “Der hat halt doof geguckt!”, “Der stand mir im Weg!” Wenn du es unbedingt auf diese Schiene ziehen willst, wäre der Angriff auf die Davidwache ja wohl der Startschuss gewesen und die Polizei hätte dann am Tag drauf dementsprechend reagiert. Und das zu Recht! Die Sicherheitsmaßnahmen waren heftig, ja. Aber wenn man sich anschaut, wie lange da noch rebelliert wurde, finde ich, dass die Polizei absolut richtig reagiert hat. P.S. Und dass man ein Gebäude seit Jahren illegal besetzt und sich nur, weil das “jetzt Kult ist”, im Recht sieht, lasse ich mal so da hin gestellt…

    • Die Aussage bezog sich auf die lange Sicht der letzten Jahre oder gar Jahrzehnte, wo sich Polizei und linke DemonstrantInnen immer unversöhnlicher gegenüber stehen. Als Dialog scheint es nur noch Gewalt zu geben, die einen greifen die Davidwache an, die anderen stoppen ohne Grund die Demo. Beides ungerechtfertigt, beides falsch, beides führte zu mehr Gewalt und mehr Verletzten.

      Was Besetzungen allgemein betrifft, können sie als Protestform durchaus etwas gutes tun und schlechte stadtplanerische Entscheidungen korrigieren, siehe die Erhaltung des Gängeviertels vor ein paar Jahren. Auch die Hafenstraße hat sich nach der Legalisierung positiv für Hamburg entwickelt. Und ich glaube, dass auch in der Existenz der Roten Flora etwas positives fürs Schanzenviertel steckt.

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