bohn-o-mat

Eine endlose Geschichte, die hier erzählt werden soll.

13.10.11 Von E-Books und Urheberrecht

Auf Google+ wurde über die Aussage von Amazon diskutiert, dass Kindle-Besitzer sehr vielmehr Bücher kaufen/lesen als vorher. Ich halte diese Diskussion für nutzlos und habe mich daher weniger mit der Frage als viel mehr mit den urheberrechtlichen Bremsen des E-Book-Marktes beschäftigt. Hier noch mal mein Kommentar in voller Länge.

Es ist m.E. die völlig falsche Diskussion. Es ist nicht so wichtig, wie viele Bücher ein Leser liest, sondern was er/sie bereit ist dafür zu bezahlen. Ich merke, dass ich nicht bereit bin so viel für ein E-Book zu bezahlen wie für ein gedrucktes Buch.

Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem, die Verlage lassen zu viele Marktnischen offen, sie können dies tun, weil sie ein Urheberrecht beschützt. Es ist ein Monopol, welches dem Autor nur bedingt aber dem Verlag viel nützt. Der Verlag kann ein Buch zu seinem (hohen) Preis verkaufen und den Autor für lange Zeit an sich binden und dem Leser bleibt nur die Wahl zwischen kaufen oder liegen lassen, woanders kaufen bringt nichts.

Als es noch kein Urheberrecht gab, war das Problem ein anderes. Die Verlage mussten schnell sein, offene Marktnischen zu lassen bedeutete, dass ein anderer das Buch einfach genau in diesem Markt herausgeben würde. So erschienen Bücher zeitgleich in verschiedenen Versionen und zu verschiedenen Preisen. Diese Preisdiskriminierung war der einzige Weg für die Verlage ihre Gewinne zu maximieren. Und die Autoren? Die waren sehr gefragt, weil sich mit einem einzelnen Buch nicht viel verdienen lies, mussten die Verlagen viel mehr an Büchern herausgeben. Autoren konnten so sogar höhere Preise erzielen. Sie konnten sich die Verlage aussuchen. Ja, auch die Art der Bücher war anders. Es waren vor allem Ratgeber, praktische Bücher, technische Bücher, etc. pp. Weniger die große Literatur oder die großen Werke.

So, wann und wo soll das gewesen sein? Ja, Deutschland, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wenn es damals einen Kindle gegeben hätte, hätte sich niemand dafür interessiert, wie viele fürs Kindle ein Buch kaufen würden. Wichtig war es nur, diesen Markt nicht den “Nachdruckern” zu überlassen, sondern dort mit konkurrenzfähigen Preisen vertreten zu sein.

Natürlich ist es für mich einfach darüber zu schreiben, ich verdiene mit Büchern nicht meinen Lebensunterhalt. Ich werde dies wohl auch nie. Aber für mich als Volkswirt sind solche Fragen hochinteressant und die Tatsache, dass viele Autoren immer noch glauben, dass Urheberrecht sei für sie geschaffen worden amüsiert mich sehr. Meiner Meinung nach wurde das Urheberrecht geschaffen, um die Verlage zu stärken, ihnen die Möglichkeit zu geben, mit weniger Büchern mehr Geld zu verdienen. Ich weiß allerdings auch, dass Ereignisse von vor 170 Jahre meist nur schwer übertragbar sind, doch interessant ist die damalige Situation schon, gerade in Hinblick darauf, wie sich der E-Book-Markt in Deutschland zurzeit entwickelt und wer hier bremst.

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17.04.11 „Corpus Delicti“

Vor ein paar Jahren wurde Intensiv über Rauchverbote in Gaststätten diskutiert. In vielen Bundesländern wurden entsprechende Gesetze diskutiert und verabschiedet. Ich selbst war damals sehr für solche Gesetze. Mich stört das Rauchen allgemein sehr, es ist mir extrem unangenehm.

Die Autorin Juli Zeh soll aus dieser Diskussion die Inspiration für ihre Geschichte „Corpus Delicti“ bekommen haben. Sie spinnt die Idee weiter, in einen Staat der die körperliche und geistige Gesundheit seiner Bevölkerung zum Staatsziel erklärt hat. Der Staat glaubte damit alle Probleme lösen zu können, allen früheren Versuchen einer Staatsform überlegen zu sein. Denn er hätte ja nur das Beste für die Menschen im Sinn.

Juli Zeh zeigt hier etwas, was bei vielen Ideologien anzutreffen ist. Für jede einzelne Maßnahme, für jede einzelne Idee lässt sich eine gute Begründung finden, ja sogar eine Begründung finden die die Mehrheit der Bevölkerung teilt, wie z.B. mit mir und dem Rauchverbot in Gaststätten. So kann Zeh einen Charakter auch ohne Probleme genau dies als Begründung für die Staatsideologie vortragen lassen. Alle Maßnahmen seien ja nur zum Besten der Menschheit gedacht.

Doch nimmt ein Staat alle Maßnahmen und alle Ideen zusammen und baut daraus eine Ideologie werden die eigentlich gut gemeinten Ideen und Maßnahmen zu einer Gefahr. Sie werden Teil eines Systems, in dem es nicht mehr darum geht, dass der Mensch gesund und glücklich ist, sondern in dem er einer Norm entspricht.

So muss sich eine Ideologie zwangsläufig in ihr Gegenteil verkehren, denn in dem der Staat mit immer neuen Regeln die Verhaltensweisen der Menschen zu regulieren versucht je kränker werden diese. Sie versuchen entweder krampfhaft diese Regeln zu beachten oder sich Freiräume zu schaffen, welche vom Staat als Bedrohung hart bekämpft werden.

Und genau hier fällt die Hauptdarstellerin rein, Mia Holl will sich krampfhaft an die Regeln halten, sie will dazu gehören. Doch der Tot ihres Bruders Moritz lässt sie an der Staatsideologie zweifeln. Etwas, was die Ideologie nicht vorgesehen hat, der Apparat kennt nur schwarz und weiß. So wird aus einer Frau die eben noch von der Ideologie überzeugt war immer mehr jemand der diese Ideologie ablehnt, sogar bereit ist gegen sie zu kämpfen.

So schaffen sich Ideologien auch immer ihre eigenen Feinde. Dies Feinde haben jedoch aus Sicht der Ideologie zwei Seiten oder Aufgaben. Sie dienen der Legitimation von Repression und Unterdrückung und zum anderen stellen sie eine reale Gefahr für die Ideologie dar.

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31.12.10 Der Himmel über Kairo

Im Sommer erschien ein Tumblr-Blog mit dem Namen Muslims Wearing Things, es sollte auf das Racial Profiling aufmerksam machen, welches von vielen konservativen Kommentartoren in den USA und anders wo propagieren.

Eine der vorgestellten Menschen in dem Blog ist die Comicautorin und Journalistin G. Willow Wilson. Sie lebte nach der Uni für einige Jahre in Cairo und für verschiedene amerikanische Zeitschriften und Zeitungen über Ägypten und den Nahen Osten geschrieben.

2007 erschien dann ihr Comicbuch Cairo. In diesem Buch erzählt Wilson die Geschichte von fünf sehr unterschiedlichen Menschen, eine israelische Soldatin, ein ägyptischer Drogenkurier, ein oppositioneller Journalist, eine amerikanische Touristin und ein Selbstmordtäter in spe. Zu ihnen gesellt sich noch ein Dschinn. Im verlauf der Geschichte lernen alle Personen neues über sich und die anderen und sie lernen dass es sehr von der eigenen Perspektive abhängt wie Symbole gedeutet werden.

Diese mögliche Umdeutung oder Neudeutung von den immer gleichen Symbolen bezeichnet Wilson als Hyperpraxis und stellt die zentralen Angelpunkt ihrer Comicreihe Air dar. In Air geht es um die Flugbegleiterin Blythe und darum, was Karten eigentlich wirklich sind. Ein Symbol, welches interpretiert werden muss. So verschwinden ganze Länder von der Karte und sind dann auch wirklich nicht mehr zu finden oder ein Flugzeug bewegt sich nur Kraft der Interpretation ihres Ortes.

Zwei sehr lesenswerte Comics auch wenn die Idee mit der Wilson hier Flugzeuge fliegen lässt, Ähnlichkeiten mit dem Infinite Improbability Drive aus Douglas Adams Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy hat.

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