08.02.11 „In alle Ewigkeit“
Wie mit der Zukunft kommunizieren, wie mit Leuten kommunizieren von denen man keine Vorstellung hat? Ohne eine Vorstellung darüber, was sie wissen, wie sie leben oder wie sie selbst kommunizieren.
Dieser Frage geht Michael Madsen in der Dokumentation Into Eternity nach. Er besucht dazu das finnische Endlager für Atommüll Onkalo. Hier soll bis ins 22. Jahrhundert der Atommüll Finnlands für mindestens 100.000 Jahre sicher gelagert werden. Sicher bedeutet, dass die Radioaktivität nicht an die Umwelt gelangen kann und so keine Gefahr für das Leben darstellt. Das Endlager wird zurzeit in einer Tiefe von ca. 520 m in den Fels gebohrt und soll diese Sicherheit bieten.
Der Film beginnt mit der Zwischenlagerung von Atommüll in Wassertanks, diese sei nur für die nähere Zukunft möglich. Jedoch wird diese mit der Zeit zunehmend unsicherer. Die Oberfläche befindet sich in einem konstanten Wandel. Ein solches Zwischenlager muss Rund um die Uhr überwacht und gesteuert werden. Es erfordert ständige Wartung, um die geforderte Sicherheit aufrecht zu erhalten.
So muss eine langfristige und auch wartungsfreie Lösung für den Atommüll gefunden werden, für die Finnen dies die Onkalo. Ein Bergwerk in einem massiven Fels nahe der Atomkraftwerke Olkiluoto. Dieser Fels ist laut Film knapp 1,8 Millionen Jahre alt. Damit glauben die Verantwortlichen in Finnland einen stabilen Ort für die nächsten 100.000 Jahre gefunden zu haben. Welch eine unvorstellbare Zahl. Der Film zeigt wie sehr sich diese Zahl unserem Vorstellungsvermögen entzieht. Unsere bekannte Geschichte umfasst gerade einmal die letzten 5000 Jahre.
Der Film kann und will keine Antworten geben, seine Aufgabe sieht er darin Fragen zu stellen, Fragen auf die es vielleicht nie eine Antwort geben wird. So wird diskutiert, ob es nicht besser ist Onkalo in Zukunft zu vergessen. Einen wahrhaft vergessenen Ort zu schaffen, um so die Wahrscheinlichkeit des Entdeckens gering zu halten.
Aber was ist, wenn die Leute in der Zukunft den Ort entdecken. Wie warnen wir sie vor der Gefahr, die von dem radioaktiven Müll ausgeht? Es sind Schrifttafeln, Symbole und irgendwie geartet Fallen im Gespräch und auch die Möglichkeit, dass diese Maßnahmen erst das Interesse an diesem Ort wecken. Es wird darüber diskutiert, ob man Annahmen über die Leute treffen kann, die den radioaktiven Müll finden könnten. Weiß jemand der durch massiven Fels bohren kann, was Radioaktivität ist?
Es wird nicht deutlich, ob sich zu diesen Fragen Antworten finden lassen. Die Gesprächspartner von der finnischen Betriebsgesellschaft, sowie schwedischer und finnischer Behörden zeigen sich mehr oder weniger Betriebsblind für diese Fragen. Nur hin und wieder lassen sie ihre eigene Unsicherheit über das bevorstehende erkennen, darüber dass sie es nicht genau wissen können.
Ein sehenswerter Film, aber nicht um dann über die möglichen Antworten zu diskutieren, sondern um weiter an der Frage zu arbeiten und zu diskutieren. Wahrscheinlich werden erst die nächsten Generationen, die keine Atomkraft mehr kennen eine Antwort auf unsere Frage haben. Sie werden die Betriebsblindheit unserer Generation abgelegt haben. Ihre Aufmerksamkeit wird vollständig unserer gefährlichen Hinterlassenschaft gewidmet sein. Doch können wir uns wirklich auf die folgenden Generationen verlassen?
25.01.11 Der Sinn von Schule
Heute habe ich in der ARD-Mediathek die Dokumentation Mathe bei Mutti von Rita Knobel-Ulrich gesehen. In dieser Sendung ging es um drei Familien, die sich weigern ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken. Zwei christliche Großfamilien und eine alternative Familie.
Die Dokumentation war meiner Meinung nach unkritisch über die Gründe, wieso diese Familien den Besuch einer öffentlichen Schule verweigert haben. Stellenweise wirkte der Film so, als würde die Autorin gerne zeigen wollen: seht her, Unterricht daheim funktioniert. Es wird gezeigt, wie gut die Kinder der beiden christlichen Familien später in Realschule und Berufsschule mithalten können oder dass der älteste Sohn der alternativen Familie Abitur macht.
Nur zwei Mal kommen kritische Töne. So fragt die Dokumentation, als der Vater meint es wären ja seine Kinder und nicht die des Staates, ob Kinder überhaupt jemanden gehören würden und am Ende der Sendung, ob Kinder und Jugendliche die einem solchen Umfeld aufwachsen, überhaupt die Chance auf einen eigenen Weg haben. Leider wurden diese beiden Kritikpunkte überhaupt nicht weiterverfolgt. Die Eltern wurden mit ihnen nicht konfrontiert und auch die Kinder mussten sich damit in der Sendung nicht auseinandersetzen.
Für mich stellt die allgemeine Schulpflicht eine emanzipatorische Errungenschaft für Kinder und Jugendliche dar. Sie ermöglicht es überhaupt eine Welt jenseits der elterlichen Wohnung kennenzulernen. Menschen treffen zu müssen, die aus anderen Zusammenhängen kommen als man selbst. Die Schule ist damit so etwas wie der erste Schritt in ein eigenes Leben, zumindest sollte sie dies meiner Meinung nach sein.